Rollenspielchronik: 17. Kapitel, 21. Spieltag

Neugier

Neugier

2. August, Fortsetzung

Barry, der etwas seekrank war, erholt sich unter der Pflege des Burgpriesters Erdom. Die beiden befassen sich auch mit einem Buch, das Erdom aus der Bibliothek der Burg geholt hat. Dabei wollen sie gern ungestört bleiben.
Nachdem wir ausgeschlafen haben, sprechen Norucalem und Sberk mit Hargi. Er bietet an, uns drei noch weiter nach Keond zu bringen, um sich dort selbst über den Stand der Dinge nach dem Tod des Königs zu erkundigen.
Während Barry noch flach liegt, spazieren wir auf dem Gelände der Burg herum und planen unser weiteres Vorgehen.
Wenn wir wieder in Keond sind, wollen wir als Erstes in den Tempel und unseren Auftrag erledigen, unsere neuen geographischen und politischen Kenntnisse über Kush weitergeben.
Die Völker im nordwestlichen Teil des schwarzen Kontinents haben demnach keinen Kontakt mit den Shemiten. Es scheint aber möglich zu sein, dass sich in Korban ein weiterer Ableger des Schlangenkults entwickelt. Wir haben mit Hilfe der Schamanen einen Boten an die Königin von Kariz gesandt.
Weiterhin wollen wir versuchen, Kontakt zu Re Tsie zu bekommen, um dann nach Mogrest zu gehen und dort mit dem Wiederaufbau der Ruine zu beginnen.
Der Haushofmeister weiß uns auch nichts über die Verhältnisse auf dem Festland zu berichten. Norucalem erkundigt sich bei ihm nach Harguts Bruder. Das muss ein seltsamer Bursche sein, wenn man seinen Worten glauben kann. Vor einigen Tagen soll es bei der Eingangstür seines Turms zu einer merkwürdigen Erscheinung gekommen sein, bei der Tausende, winzige, rosafarbene Spinnen aufgetreten sind. Die wären dann geplatzt und hätten zwar nach Erdbeeren geduftet, aber das Ganze sei mit unangenehm klebriger Aufräumarbeit verbunden gewesen.
Norucalem will ihn aber trotzdem aufsuchen, oder vielleicht gerade deswegen? Sberk weigert sich zunächst, ihn zu begleiten. Als sich nach wiederholtem Klopfen im Turm nichts regt, bemerkt der Magier, dass die Tür fest verschlossen ist, wie zugenagelt. Als er Sberk bittet, das Schloss zu untersuchen, meint dieser, der Schlüssel stecke von innen. Nun klopft er noch einmal an. Diesmal scheint es ihm so, als ob der Hall der Burgwände fehlen würde. Es müsste sich sonst hohl anhören. Der Dieb widersetzt sich standhaft dem Drängen, das Schloss mit den Mitteln seiner Kunst zu öffnen.
Durch eine Eingebung klopft Norucalem nun mit seinem Zauberstab an die Tür. Daraufhin lockert sich die Tür merklich und setzt sich auf den Boden ab, sie ist nicht einmal abgeschlossen und lässt sich nun ohne Mühe öffnen.
Hinter der Türöffnung ist es stockfinster. Uns kommt ein feuchtwarmer Luftzug entgegen. Die Tür schwingt hin und her und klappert im Wind. Auf der anderen Seite scheint ein tropischer Regenwald zu sein.
Sberk weigert sich weiterhin, dem Magier über die Schwelle zu folgen. Aus der Ferne hinter der Tür ist ein Schrei wie von einem Tiger zu hören. Während Norucalem mit zur Tür gewandtem Rücken versucht, Sberk zum Mitkommen zu überreden, kriecht eine kleine, aber gefährlich aussehende, grüne Schlange von hinten auf ihn zu. Sberk kann ihn gerade noch rechtzeitig warnen. Er springt beiseite, und der Dieb trennt dem Reptil mit einem Schwertstreich den Kopf ab.
Ein seltsames Trompeten erschallt aus dem Dschungel. Wir haben so etwas noch nie gehört. Es hört sich nicht an wie ein wieherndes Pferd und auch nicht wie das Gebrüll eines Drachen, eher irgendwo dazwischen.
Als Norucalem versucht, mit der Laterne in den Dschungel zu leuchten, stellt er fest, dass das ein nutzlosen Unterfangen ist, zumal im Burghof hell die Sonne scheint und er gewöhnlich ohne Laterne im Dunkeln besser sehen kann. Sberk erklärt sich schließlich bereit, die Tür mit seinen Dietrichen wieder zu verschließen.
Norucalem überlegt, ob er mit der toten Schlange noch etwas anfangen kann. Da kommt ausgerechnet eine Magd vorbei, die sich erschreckt und dann kreischend davon läuft. Der Magier steckt den Kadaver in einen Beutel, um diesen dem Burgpriester zu zeigen. Der hat sich aber zur Ruhe begeben, und Barry geht es auch noch nicht wieder richtig gut.

3. August

Wir verlangen Hargut zu sprechen und berichten ihm von diesen Dingen. Er fragt uns, ob wir die Tür wieder so verschlossen haben, wie sie es vorher war. Dabei schaut er Norucalem an. Dieser antwortet, wir hätten es gemacht. Hargut geht selbst mit uns zum Turm und schließt die besagte Tür mit seinem Schlüssel auf.
Dahinter ist nur ein gewöhnliches Treppenhaus zu sehen. Nachdem er uns zur Besonnenheit gemahnt und besonders bei Norucalem um Verständnis für die Marotten seines Bruders geworben hat, trennt sich Hargi wieder von uns.
Diesmal lässt Sberk sich ohne Weiteres dazu bringen, das Schloss sofort wieder zu öffnen, als Norucalem deswegen weiter in ihn dringt. Er geht hinein, aber zuerst weigert sich der Dieb mitzukommen.
Etwas feiner Sand rieselt kaum merklich über die Kanten der Stufen herab. Sberk bekommt etwas davon ins Auge. Norucalem überredet ihn dazu, die Treppe hinter ihm hinauf zu steigen.
Im ersten Stock endet die Wendeltreppe vor einer Tür. Ein kleines, schmutziges Fenster geht Richtung Innenhof und spendet etwas Licht.
An der Tür ist nichts zu erkennen, was sie an ihrer Stelle hält oder mit dem man sie öffnen könnte, weder Scharniere noch Griff oder Schloss. Einen verborgenen geheimen Mechanismus kann der Elf auch nicht entdecken.
Als er dann einen Öffnungszauber anwendet, schwingt ihm unglücklicherweise die Tür gegen den Kopf, so dass er das Bewusstsein verliert. Zum Glück steht Sberk hinter ihm und kann verhindern, dass er die ganze Treppe hinunter stürzt. Der Dieb bemüht sich, seinen Gefährten zu wecken. Hargut erscheint und erkundigt sich, was vorgefallen ist.
Wir schleppen Norucalem zum Brunnen, wo er langsam wieder zu sich kommt. Dort wird der Magier von der Magd versorgt. Sberk ärgert sich darüber, dass er von ihr nicht so beachtet wird, aber der Elf macht die Magd auf ihn aufmerksam.
Norucalem will trotz seines dröhnenden Schädels sofort noch einmal in den Turm zurück. Die Magd teilt uns jedoch mit, dass Hargi uns sofort sprechen will.
Er erklärt Norucalem, dass es so nicht geht, und dass sein Bruder Zurgut in seinem Turm machen kann, was er will. Der Elf ist reumütig und erklärt sich endlich bereit, die Tür wieder mit einem Zauberspruch zu versperren, so wie sie es anfangs war.
Wir gehen dort hin. Gerade in dem Moment, als er seinen Zauber anwenden will, wird die Tür einen Spalt weit aufgerissen. Ein verschlafen wirkender, zwergwüchsiger, dürrer Mensch mit verhältnismäßig großem Kopf starrt uns wütend an und knallt dann sofort die Tür wieder zu. Trotz der übrigen Gegensätze ist die Ähnlichkeit mit Hargut unverkennbar, besonders die roten Haare. Norucalem ruft ihm nach, dass er die Tür gerade selbst wieder ordentlich verschließen wollte, doch er lässt sich nicht wieder blicken.

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