Rollenspielchronik: 26. Kapitel, 31. Spieltag

Das schwarze Loch

Das schwarze Loch

17. November

An der Stelle, wo der Weg dem Lauf der Tarstel folgend nach Norden abbiegt, legen wir einen Ruhetag ein. Danach wollen wir den Weg verlassen, um nordöstlich von unserem Lehen Anzeichen der Kobolde zu suchen.
Unser Feuer qualmt stark. In einiger Entfernung von unserem Lager befindet sich eine Lichtung, über der ein schwarzer, dunstiger Schatten liegt. Allein der Anblick verursacht bei uns ein ungutes Gefühl, so als ob eine böse Macht von dort ausginge. In der Nacht schlafen wir deswegen nur sehr unruhig.

18. November

Durch die Rast sind wir uns zwar einigermaßen ausgeruht, aber trotzdem fühlen wir uns nicht richtig wohl. Wir beschließen, uns etwas östlich unserer geplanten Route zu halten und direkt zum Schatten zu reiten, um der Sache auf den Grund zu gehen. Etwa einen Kilometer von der finsteren Stelle entfernt machen wir Halt. Die Pferde sind unruhig. Wir steigen ab und führen sie zu Fuß weiter.
Der Schatten ist beim Näherkommen nicht größer geworden. Anscheinend verbirgt sich dort eine Bodensenke. Das Licht wird verschluckt, so dass absolut nichts zu erkennen ist. Wir erreichen die Böschung der Senke. Dort scheinen die Reste eines verfallenen Weges in die Senke hinunter zu führen.
Norucalem nimmt einen kleinen Stein und wirft ihn in die Finsternis hinab. Der Stein verschwindet im Schatten, ohne dass ein Aufprall zu hören ist. Barry gebietet im Namen seines Gottes Milil allem Bösen, sich ihm zu zeigen, doch unerklärlicherweise kann er den Schatten nicht durchdringen. Als Norucalem einige Riesenfröschen beschwört, springen diese in die Senke und sind auf nimmer Wiedersehen verschwunden.
Ein fauliger Modergeruch steigt mit leichten Dunstschwaden aus dem Loch herauf. Norucalem beschließt in das Loch hinabzusteigen. Dabei wird er von Sberk durch ein Seil gesichert. Barry und Sberk sehen sein Zauberlicht noch bis in eine Entfernung von etwa neun Metern glimmen, dann wird es von der Dunkelheit verschluckt.
Als der Elf nach einigen Minuten nicht zurück kommt und auch kein Zeichen gibt, versuchen wir ihn am Seil herauszuziehen. Es scheint aber so, als würde das Seil irgendwo festgehalten werden. Obwohl der Dieb und der Priester ihre vereinten Kräften aufwenden, gelingt es ihnen nicht, das Seil los zu bekommen. Nach vergeblicher Mühe ruft Barry seinen Gott an, um den Zauber zu bannen. Da wird der Widerstand plötzlich aufgehoben und mit einem Ruck erscheint der Elf wieder vor unseren Augen. Als er wieder wohlbehalten bei uns auf der Böschung steht, berichtet Norucalem, was ihm wiederfahren ist. Als er uns nicht mehr sehen konnte, veränderte sich seine Umgebung. Er fand sich in ein fremde Wüstenlandschaft versetzt. Der versunkene Weg, der gerade noch in die Senke hinab führte, war verschwunden. Stattdessen führte der Weg, auf dem er stand, jetzt einen steinigen Hügel zu einer Art Burg oder Tempel mit fremdartiger Bauweise hinauf. Dahinter waren am Nachthimmel unbekannte Sternbilder zu sehen. In großer Höhe flogen fledermausähnliche Geschöpfe durch die Lüfte. Als Norucalem seinen Weg zurückschaute, sah er das Ende des Seil im Boden verschwinden. Auch mit aller Kraft konnte er es nicht lösen, bis er ruckartig nach vorn gerissen wurde.
Als Norucalem seine Erzählung beendet hat, stellen wir zu unserem Entsetzen fest, dass wir im Abstand von mehreren Metern von einem Spinnennetz umgeben sind. Mal ist es zu sehen und dann verschwindet es wieder. Auf einmal taucht die dazugehörige, etwa vier Meter große Spinne auf und verschwindet wieder. Dann erscheint für einen Moment an einer anderen Stelle des Netzes eine weitere Riesenspinne aus dem Nichts. Norucalem wirft einen Ast in Richtung des Netzes, welcher dort auch hängen bleibt. Wenn das Netz nicht zu sehen ist, scheint er in der Luft zu hängen. Bevor die Spinne wieder auftaucht, postiert Norucalem sich dort, wo er meint, dass sie wieder erscheinen wird und lässt magisches Feuer aus seinen Fingern schießen. Bevor er jedoch zuschlagen kann, springt die Spinne ihn von hinten an und versucht ihn ins Genick zu beißen. Zum Glück hat der Zauberer sich mit einer Steinhaut gegen Angriffe geschützt und der Biss geht fehl. Die leicht angesengte Spinne zieht sich wieder zurück und verschwindet vor unseren Augen im Nichts. Mit dem magischen Feuer brennt der Elf ein Loch in das Netz, durch das wir uns schnell in Sicherheit bringen.
Auf unserem Weiterritt geraten wir in eine Ansammlung von Riesenfröschen. Als diese Anstalten machen, uns anzugreifen, beschießt Norucalem einen mit einem riesigen Feuerball. Die Überlebenden suchen das Weite.

19. November

Heute reiten wir noch weiter nach Süden.

20. November

Wir wenden uns nach Nordwesten, um in einem weiten Bogen wieder zurück zum Weg nach Targon zu gelangen. Gegen abend finden wir einen Weiher, dessen Wasserfläche sich eignet, damit Barry eine Vision von Mogrest beschwören kann.
Nachdem er die nötige Trance und Konzentration erreicht hat, wirft er einen Blick auf das Haupttor unserer Burg. Dort ist nichts Besonderes zu sehen. Der Wächter auf dem Nordwestturm scheint aufmerksam seinen Dienst zu tun. Der Südwestturm wird eingerissen und der Südostturm erneuert. Im Nordosten ist der Schutt des Turms weggeräumt worden. Allerdings kann Barry keine hölzerne Palisade sehen, die den Innenhof an dieser Stelle solange schützt. Re Tsie lässt sich nicht blicken.

21. November

Wir wenden uns direkt nach Norden und gelangen abends wieder an den Ausgangspunkt der Exkursion in unser Grenzland zurück, ohne eine Spur der Kobolde gefunden zu haben.

22. bis 24. November

Wir hotzeln(2) in Ruhe und legen dann einen Tag Rast ein.

25. bis 30. November

Wir reiten weiter bis zur Einmündung der Morstel in die Tarstel.
Norucalem versucht mit magischem Gehör herauszubekommen, was in diesem Augenblick in Re Tsies Arbeitszimmer auf Mogrest geschieht. Nach einer Weile hört ein Räuspern, einen Fuß scharren, und schließlich eine Tür klappen. Dann ist es still.
Auf dem gegenüberliegenden Ufer befindet sich das Gasthaus an der Morstel. Wir lassen uns vom Fährmann übersetzen.
Der Elf setzt noch einmal seine Magie ein, und versucht nach Keond in die Amtstube des kommissarischen Statthalters zu lauschen. Es gelingt ihm aber nicht, mit seinen Sinnen in den Palastbereich einzudringen. Als er nochmals Re Tsie belauscht, vernimmt er den Ausruf "Scheiß Papierkram". Etwas Nützliches kann er nicht herausbekommen.
Im Gasthaus treffen wir Menschen und Gnome. Die Gnome sind Fremden gegenüber scheu. Der Wirt ist ein Mensch. Außer uns halten sich einige andere Reisende im Gasthaus auf.
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(2) Umgangssprachlicher Ausdruck in Keondar für gemächliches Dahinreiten.

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