Rollenspielchronik: 64. Kapitel, 75. Spieltag

Haare und Frosch

Haare und Frosch

20. September

Obwohl der Graf freundlich zu uns ist, erweckt er einen reservierten und unnahbaren Eindruck. Unter der Oberbekleidung trägt er eine Art seltsam schillernder Rüstung.
Wir überlassen Zorgach seinen Studien und seiner Trauer.
Hofmeister Hesporant zeigt uns das Schloß. Es wird samt der umgebenden Grünfläche durch eine Mauer mit mehreren Türmen und einen Graben geschützt. Die einzige Brücke kann bei Gefahr hochgezogen werden.
Das Arbeitszimmer des Grafen ist zugleich die Bibliothek derer von Och. Im Allgemeinen möchte er bei seinen Studien nicht gestört werden, und man muss sich anmelden und um Erlaubnis fragen, wenn man die Bibliothek benutzen möchte.
Das Erdgeschoß ist ein großer Fruchtbarkeitstempel, welcher allen Bewohnern der Grafschaft offen steht. Dort sind viele Symbole von Sonne und Mond zu sehen.
Hesporant erklärt uns, dass er auch Priester und Nachfolger des Hohepriesters Itolam ist. Itolam ist sehr alt. Er war schon der Hauslehrer von Zorgach und hat sich auch um dessen Kinder Andelmar und Isilwurz gekümmert. Itolam war von Anfang an beunruhigt, als der junge Mann seine Neugier auch in den dunklen Bereichen des Wissens zu stillen begann.
Isilwurz ist ein Einzelgänger, der keine Freunde hat. Der Sohn des Grafen, der seinem Vater in jungen Jahren ähnlich sieht, hat in den letzten Jahren schon manche wichtige Angelegenheit selbst erledigt. Zuletzt sollte er sich um Gerüchte über Mißernten und die angebliche Unfähigkeit des Fruchtbarkeitstempels kümmern. Der Ort, zu dem er wollte, heißt Kleck und liegt im Viereck zwischen Ochgard, Osmund, Ochlond und Osfurt. Seitdem hat niemand mehr etwas von ihm gehört oder gesehen.
Wir beschließen, zum Gemach von Isilwurz zu gehen. Barry entdeckt, dass die Tür eine magische Aura hat. Er bannt den Zauber. Da uns das Ganze nicht geheuer ist, beginnen wir damit, dass Sberk die Eingangstür und die Wände darum herum vorsichtig nach Fallen absucht. Er kann nichts finden. Als er sich umdreht, fällt Barry sein ungewöhnlich starker Bartwuchs auf. Das Haar des Diebes wächst so schnell, dass man dabei zusehen kann. Sberk ist nicht besonders amüsiert. Die Haarsträhnen erreichen schnell den Boden.
Norucalem ist währenddessen auf der Suche nach Geheimtüren durch die angrenzenden Gänge geschlendert. Als Sberks Locken die Treppe erreichen und ihn durch ihr Gewicht hinab zu ziehen drohen, erscheint glücklicherweise Hesporant. Er kann den Fluch bannen. Sberk schneidet unterstützt von Norucalem die unerwünschte Pracht ab. Der Berg Haare wird von den Bediensteten weggeschafft. Wir beschließen morgen hier weiter zu machen.
Der Spiegelsaal, der beinahe ein ganzes Stockwerk einnimmt, ist eine besondere Attraktion, deren Faszination von der unendlichen Wiederholung der Bilder ausgeht. Auch wir können uns diesem Phänomen nicht entziehen und fühlen uns dabei nicht besonders wohl. Manchmal meint man Bilder zu sehen, die es nicht geben kann, etwa von Personen die nicht im Raum sind. Auch Barry kann dieses Rätsel mit der Schale des Sehens nicht lösen.
Wir gehen wieder in den Fruchtbarkeitstempel hinunter. Während wir im Tempel sind hat Sberk das Gefühl, von Barry beobachtet zu werden.
Wir erfahren von Hesporant, dass es im Schloß nur die eine Bibliothek gibt. Vermutlich sind dort auch Bücher über Schwarze Magie.
Sberk ist verwundert, dass die Dorfbewohner noch nicht über den Verschwundenen befragt worden sind. Wir verlassen das Schloß, um selbst Nachforschungen im Ort anzustellen.
Im Gasthof werden wir ehrerbietig vom Wirt begrüßt und zu einem freien Tisch geführt. Als der Wirt Arteb uns das gewünschte Bier bringt, stehen die beiden einzigen anwesenden Einheimischen auf und gehen. Arteb setzt sich zu uns an den Tisch und gibt eine Runde Bier und Piki aus. Wir sprechen über Belanglosigkeiten. Dabei gelingt es uns, zu erfahren, dass Isilwurz in Kleck zu einem Menschen namens Argwut Grässel wollte. Arteb beschreibt diesen als unangenehmen, hinterhältigen Charakter. Wir verabschieden uns und begeben uns zum Schlafen ins Schloß.

21. September

Morgens gehen wir wieder zu den Räumen von Isilwurz. Norucalem kann keine Magie mehr entdecken und öffnet ganz vorsichtig die Tür.
Dahinter herrscht ein fürchterliches Durcheinander. Isilwurz hat den Dienern den Zutritt verboten. Er selbst war offensichtlich nicht sehr ordnungsliebend. Die Luft ist abgestanden und es stinkt. Offene Gefäße stehen herum.
Norucalem erschafft einen dienstbaren Geist, der die verstreute, schmutzige Wäsche auf einem Haufen sammelt. Barry warnt uns, dass viele Dinge eine magische Ausstrahlung haben. Davon sind besonders die herumliegenden Schriftrollen betroffen. Nachdem der Dieb erfolglos das Bett untersucht hat, nimmt er sich den Schreibtisch vor. Dort findet er einen Zettel mit einer seltsamen Aufzeichnung, die er aber nicht entziffern kann. Barry kann ihm dabei helfen: "Sieben Katzen, fünf Hunde, drei Ziegen und ein Hahn", wobei "Hahn" durchgestrichen und durch "Kind" ersetzt worden ist.
Als Norucalem, der seine Neugier nicht zügeln kann, eine Schriftrolle öffnet, wird er in einen Frosch verwandelt. Weil er sich danach sehr unwohl fühlt, hüpft er schnell unter das Bett. Nach einer Weile gelingt es Barry, den Frosch unter dem Zauberhut einzufangen.

Nächstes Kapitel