Rollenspielchronik: 86. Kapitel, 97. Spieltag

Kundschaftertor

Kundschaftertor

12. Dezember, Fortsetzung

Der lange Aufenthalt unter der Erde und das fehlende Sonnenlicht beginnen allmählich an unseren Nerven zu zerren, aber wir können uns noch beherrschen.
Nach einiger Beratung beschließen wir bei dem mysteriösen guten Zauberer hinter den Pegasibergen Hilfe zu suchen.
Da wir die treue Leibgarde des Schamanen nicht zurücklassen können, werden diese Orks uns begleiten, obwohl Sberk nur schwer davon zu überzeugen ist. Raschnug kennt ungefähr den Weg zu einem geheimen Ausgang an der Ostseite der Feuerberge, welcher eigentlich den Kundschaftern der Orks vorbehalten ist. Wir müssen nur darauf achten, nicht zu nahe an den Einflußbereich der Orks von Hörn zu kommen, weil wir eine offizielle Erklärung vermeiden wollen, bis diese Angelegenheit bereinigt ist.

13. Dezember

Zunächst bewegen wir uns auf Nordhörn zu. Als wir auf Orks treffen, spricht Raschnug mit ihnen. Sie sind verwundert, uns zu sehen, und erklären uns eine Abkürzung zur Hauptstraße, die von Hörn zum Osttor führt. Wir befolgen ihren Rat und biegen in einen südwärts führenden Seitengang ein.
Kurz vor der Hauptstraße löschen wir die Fackeln und schicken sechs Orks aus der Garde auf Kundschaft voraus, die auch besonders gefährliche Stellen auf dem letzten Abschnitt des Gangs kennzeichnen sollen, den wir im Dunkeln zurücklegen müssen. Sie bekommen eine halbe Stunde Vorsprung. Hargut hat sich mit dem alten Haudegen Krork angefreundet, dem Anführer der Garde. Der Graf ist bereit, sich in der Finsternis von ihm führen zu lassen. Raschnug kümmert sich in der gleichen Weise um Sberk und Norucalem um Barry, so dass jeder, der nicht im Dunkeln sehen kann, einen Führer bei sich hat.
Wir müssen noch abwarten, weil die Kundschafter uns vor Orks auf der Straße warnen, welche uns zum Glück nicht bemerken.
Sberk will allein zur Straße schleichen. Er muss sich an der Wand entlang tasten, weil es stockdunkel ist. Erst kurz vor der Straße gibt es einen äußerst schwachen Lichtschein von einer weit entfernten Fackel. Sberk lauscht und stellt fest, dass sich die Geräusche der fremden Orks in die Richtung entfernen, die auch wir einschlagen müssen. Dann schleicht der Dieb zu den anderen zurück. Als einige Biegungen zwischen ihm und der Straße liegen, zieht er seinen Dolch ein kleines Stück aus der Scheide, damit er etwas Licht auf seinem Weg hat.
Wir brechen auf und folgen in großem Abstand vorsichtig den fremden Orks. Schon bald bemerken wir, dass uns jemand entgegen kommt und kehren schnell wieder um. Wir haben den Seitengang noch nicht ganz erreicht, als wir aus der anderen Richtung auch jemanden kommen hören. Gerade rechtzeitig können wir von der Straße verschwinden.
Sicherheitshalber ziehen wir uns etwas weiter in den Gang zurück, so dass wir durch mehrere Biegungen gedeckt sind. Nach einer ganzen Weile brechen wir wieder auf. Wir eilen die Straße entlang, und gelangen unbemerkt bis zu der Abzweigung, die zum Geheimausgang der Kundschafter führt. Als Sberk lauscht, hört er nur den Wind in der Ferne heulen. Wir schicken wieder ein halbes Dutzend Kundschafter voraus und kommen irgendwann oben beim Tor an. Es müsste nachmittags sein. Draußen schneit und stürmt es heftig. Der Ausgang ist durch eine überhängende Felsplatte gut getarnt und führt in eine Mulde auf einer Art breitem Sims. Dadurch ist es möglich, sich unauffällig vom Eingang nach Norden und nach Süden zu entfernen, ohne von der Ebene aus gesehen zu werden.
Sberk schleicht allein hinaus. Wegen des starken Schneetreibens und der hereinbrechenden Nacht auf der Schattenseite der Feuerberge ist nicht viel zu erkennen. In Richtung der Teufelsborste sind undeutlich seltsame, leuchtende Erscheinungen zu sehen. Blaue, waagerechte Linie verbinden den Turm mit einem Punkt in der Luft, welcher gleichzeitig das Ziel konzentrisch vom Boden ausgehender Flammenschläge zu sein scheint.
Sberk kehrt zurück und erstattet Bericht. Wir brechen in südlicher Richtung auf und kommen abends oberhalb des Osttors an. Der Schneesturm hat sich etwas gelegt. Zu unserer Überraschung scheint das Tor frei zu sein, denn von den Höllenhunden ist trotz des frischen Neuschnees weit und breit keine Spur zu sehen. Vor der Teufelsborste bildet eine große geschwärzte Fläche ein Kontrast zum schneebedeckten Boden darum herum.
Barry versucht den Anführer der Höllenhunde mit der Schale des Sehens ausfindig zu machen. Als er meint, ihn fast gefunden zu haben, stößt er auf einen starken Widerstand. Der Priester muss erhebliche Willenskraft aufbieten, bis ihm gelingt. Der größte der Höllenhunde steht reglos innerhalb des grünen Netzes bei den acht Beinen unter der Teufelsborste, den Blick starr nach außen gewandt. Die anderen stehen im Kreis um den Turm herum und scheinen ebenso Wache zu halten.
Als Barry sich auf das Zentrum der schwarzen Fläche konzentriert, sieht er dort eine Kugel liegen. Sie scheint aus dem gleichen Metall, das in der Mine unter dem Turm für Gleis und Lore verwendet worden ist. Wir vermuten, dass ein Kampf stattgefunden hat, an dem irgendwie der unbekannte, gute Zauberer beteiligt ist.

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