Rollenspielchronik: 92. Kapitel, 103. Spieltag

Am Fuß der Silberberge

Am Fuß der Silberberge

2. Januar, Fortsetzung

Der Grenzgraben scheint vor langer Zeit angelegt worden zu sein. Er macht einen gepflegten Eindruck. Viele der angespitzten Pfähle sehen zwar ziemlich verwittert aus, aber alte scheinen regelmäßig durch neue ersetzt zu werden. Der Wald auf der anderen Seite sieht freundlich aus. Man könnte meinen, das Wirken von Elfen zu erkennen.
Nach einiger Zeit kommen die beiden Zentauren mit den Anweisungen ihres Häuptlings zurück. Sie werden von sechs weiteren Stammesbrüdern begleitet, welche eine seltsame Holzkonstruktion dabei haben. Der Sprecher verkündet, dass Kelbar nun für den Häuptling sprechen wird. Dieser große und kräftige Zentaurenkrieger erklärt uns, dass er uns zu einem "unbekannten Grab" führen wird, wenn wir bereit sind, die Bedingungen seines Stammes zu akzeptieren. Wir dürfen nicht von seiner Seite oder vom Weg abweichen und sollen helfen, zu erklären, was es mit diesem Grabhügel auf sich hat. Er berichtet, dass dieser plötzlich aus dem Nichts erschienen ist, obwohl er aussieht, wie eins der bekannten, über fünfhundert Jahre alten Hügelgräber, die überall in Keondar und den Freien Landen zu finden sind. Wir sind einverstanden. Kelbar gibt seltsame prustende und schnaubende Laute von sich, woraufhin unsere Pferde über die Holzbrücke laufen, welche von den Zentauren über den Graben gelegt worden ist. Unsere Pferde scheinen sich gut mit den Zentauren zu verstehen. Nachdem wir alle den Graben überquert haben, wird die Brücke sogleich wieder abgebaut, auseinander genommen und abtransportiert.
Nun sind wir mit Kelbar allein. Wir folgen zunächst dem Pfad am Graben entlang, in der gleichen Richtung, welche die übrigen Zentauren eingeschlagen haben. Nach kurzer Zeit holen wir sie ein.
Kelbar führt uns weiter nach Osten. Wir kommen gut voran. Vor Anbruch der Dunkelheit bringt Kelbar uns zu einer halb offenen Höhle unter einem Felsüberhang, welcher durch Bäume und Sträucher vor Wind und Wetter geschützt ist. Dort gibt es auch eine Quelle, um den Durst zu stillen. Jemand hat frisches Fladenbrot, Gemüse und Obst in tönernen Gefäßen bereitgestellt. Kelbar erklärt uns, dass es im Zentaurenland nicht nötig ist, nachts Wache zu halten.

3. und 4. Januar

Wir sprechen mit unserem Führer über das seltsame Hügelgrab und erzählen ihm von den beiden Zauberern und ihren eigenartigen Türmen.
Als wir die Orks erwähnen, meint Kelbar, er habe sich schon über den strengen Geruch gewundert, der uns wohl noch immer anhaftet.
Wir erzählen vom Angriff der drei Drachen auf die Teufelsborste beim Osttor von Hörn, wie der Turm auf einem Feuerstrahl in den Himmel davon geflogen ist, dass Barry diesen zuerst in seiner Schale neben dem Turm des unbekannten Zauberers in der Gegend des seltsamen Hügelgrabs wieder entdeckt hat, und dass die beiden Türme dann unauffindbar verschwunden sind. Wir erzählen ihm auch alles über die Hälfte der Friedenskrone, und warum diese für Keondar so wichtig ist.
Kelbar bringt uns auf einem Umweg zu heißen Quellen vulkanischen Ursprungs. Wir nehmen ein wohltuendes Bad und fühlen uns danach fast wieder wie neu geboren. Auf den Wegen lässt es sich gut reiten, so dass wir trotz der Verzögerung nachmittags unser Ziel erreichen.
An dieser Stelle bildet ein Ausläufer der Silberberge, der sich beinahe senkrecht, schroff und unüberwindlich aus dem waldigen Hügelland erhebt, eine Art riesenhaftes Bollwerk. In einer Höhe von mindestens fünfzehnhundert Metern ist steil über uns eine alte, verlassene Festung zu sehen. Als wir Kelbar danach fragen, ist er unglücklich, weil das nichts mit unserer Abmachung zu tun hat. Wir beschließen, dieses Thema in Zukunft zu vermeiden.
Barry ist erstaunt, dass gerade an dem Platz, wo die Teufelsborste und der andere Turm bei seinen Blicken durch die Schale gestanden haben, nun zwei prächtige Eichen wachsen, die schon viele hundert Jahre alt sein müssen. Der Priester untersucht, ob das Grab eine magische Ausstrahlung hat. Er kann aber nichts finden.
Kelbar führt uns wieder zu einer verlassenen, natürlichen Unterkunft, wo frische Nahrungsmittel auf uns warten. Wir sind uns einig, dass wir uns ernsthaft an die Abmachung mit den Zentauren halten wollen.

5. Januar

Obwohl der Priester nichts Magisches entdeckt hat, wendet unser elfischer Zauberer einen mächtigen Bannspruch auf den Grabhügel an, ohne dass sich dadurch etwas verändert. Dann erzeugt Norucalem ein Zauberauge. Er schickt das schwebende Auge in einen Fuchsbau an der Seite des Hügels hinein, wo es vom Fuchs gefressen wird. An der Oberseite des Hügels sind die Steinplatten des Grabes teilweise sichtbar. Sberk untersucht sie nach verborgenen Mechanismen oder Fallen. Er findet aber nur einen kleinen Spalt, durch den vielleicht eine Maus passen kann.
Norucalem will sich in eine Fledermaus verwandeln, um so durch den Spalt in das Innere des Hügels zu gelangen. Die Verwandlung erweist sich als unerwarteter seelischer und geistiger Schock für den Elfen. Zuerst kann er sich überhaupt nicht orientieren. Angsterfüllt krabbelt er in einen Spalt an der Decke in der Ecke der Höhle, möglichst weit vom grellen Tageslicht entfernt. Von draußen kann er fremde Laute hören, die ihn an irgendetwas erinnern. Als sich sein Herzschlag wieder etwas beruhigt hat, versucht Norucalem, sich darauf zu besinnen, wer er eigentlich ist. Es gelingt ihm jedoch erst, als die anderen laut seinen Namen rufen. Endlich kriecht die Fledermaus ins Freie und der Elf nimmt wieder seine wahre Gestalt an. Er kann sich kaum an Einzelheiten erinnern, nur dass irgendwas auf dem Boden der Höhle liegt.
Barry geht zu den beiden Eichen, weil er mit ihnen sprechen will. Dazu versetzt er sich in Trance, wobei er einem Baum immer ähnlicher wird. Er kann sich mit der Eiche verständigen. Sie steht schon seit über fünfhundert schönen Sommern hier. Von einem Blitz ist sie noch kein einziges Mal getroffen worden. Wir gewinnen allmählich den Eindruck, dass wir uns das alles mit den Türmen nur eingebildet haben.

6. Januar

An diesem Tag rasten wir in unserer Unterkunft. Es gibt ein Gewitter, bei dem die Eiche vom einem Blitz getroffen wird.

7. bis 9. Januar

Wir machen uns wieder ans Werk. Sberk bindet eine Schnur an seinen magisch leuchtenden Dolch. Dann lässt er diesen behutsam durch den Spalt in die Höhle hinab. Er sieht Knochen von einem menschlichen Skelett, Teile einer Plattenrüstung und das untere Ende eines Speers. Mit viel Geduld und Geschicklichkeit zieht Sberk seinen Dolch durch den Spalt wieder heraus. Alles sieht so aus wie bei einem echten Hügelgrab.
Sberk hat eine Idee. Er bespricht sich mit Barry und lässt den Dolch nochmals das Innere der Grabstätte beleuchten. Als Barry in die Schale des Sehens schaut kann er tatsächlich die halbe Friedenskrone in den Händen eines in dem Grab bestatteten königlichen Kriegers entdecken.
Wir müssen an das seltsame Grab heran. Barry verformt den Stein so, dass der Spalt groß genug für einen von uns ist. Sberk klettert hinein.
Vorsichtig nimmt er die Hälfte der Friedenskrone dem Skelett aus den Händen. Er betrachtet die kostbare Plattenrüstung, den dazu passenden prächtigen Streitkolben eines Hohepriesters und das metallisch blau schimmernde Amulett in der Form eines fünfzackigen Sterns an einem Band um den Hals des Skeletts. Dann kriecht er schnell wieder nach draußen. Norucalem klettert hinein. Er nimmt die Rüstung, den Kolben und das Amulett und bringt alles nach draußen. Schließlich bringt er die Gebeine wieder ungefähr in ihre ursprüngliche Lage, und Barry schließt den Spalt im Fels.
Wir machen uns auf den Weg zurück. Norucalem hat einen neuen Zauberspruch erlernt. Er setzt diese Sagenkunde ein, um mehr über die Gegenstände aus dem Grab in Erfahrung zu bringen. Die Rüstung hat einmal einem Hohepriester des versunkenen Reiches Zumpan gehört. Sie hat ihm ebenso wie der Streitkolben gute Dienste im Kampf gegen den Dämon Seth geleistet. Der Priester ist beim Kampf gegen den Dämon zwar umgekommen, aber Seth wurde ebenfalls geschlagen. Über das Sternamulett kann der Zauberer nichts herausbekommen.
Auf dem Ritt besprechen wir uns ausführlich mit Kelbar. Wir glauben, dass es den beiden Zauberern irgendwie gelungen ist, diese Welt beinahe spurlos zu verlassen. Aus unerklärlichen Gründen haben sie nichts von hier mitgenommen.

10. Januar

Beim Abschied übergeben wir als Geschenk für ihren Schamanen an die Zentauren eine Schriftrolle mit dem Bannspruch gegen Seth, den wir in der Bibliothek von Hookbarg gefunden haben. Die Zentauren helfen uns nochmals mit ihrer Brückenkonstruktion über den Graben. Dann beschwört Barry wieder ein Pflanzentor. Wir folgen ihm und führen unsere Pferde durch das Dorngestrüpp bis zu der Stelle, wo wir hergekommen sind. Wir reiten weiter bis zur Straße.

11. bis 13. Januar

Wir reiten über den Sack der Schnelligkeit auf der Straße westwärts und übernachten etwas abseits in Norucalems Sicherer Hütte. Dann legen wir einen Rasttag ein.

14. und 15. Januar

Wir erreichen Folon und reiten ohne langen Aufenthalt weiter. Schließlich kommen wir in Jaufurt an, wo wir unsere Freundin, die Priesterin des Sonnentempels besuchen.

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